NIEFERN-ÖSCHELBRONN/ENZKREIS. Zwei bedeutende Institutionen – ein international agierendes Unternehmen und ein spezialisiertes Krankenhaus mit deutschlandweitem Einzugsgebiet – standen auf dem Programm des Besuchs von Landrat Bastian Rosenau in der Gemeinde Niefern-Öschelbronn: das weltweit tätige Unternehmen Bellmer und die Klinik Öschelbronn. Gemeinsam mit Bürgermeister Uwe Engelsberger und in Begleitung von Enzkreis-Wirtschaftsförderer Jochen Enke, Herbert Wackenhut vom Cluster Hochform sowie Jessica Heidt aus dem Jobcenter des Kreises, startete Rosenau zunächst beim traditionsreichen Familienunternehmen im Ortsteil Niefern.
Die Firma Bellmer – weltweit vertreten
Gegründet im Jahr 1842 zählt die Bellmer GmbH heute zu den international führenden Spezialisten im Maschinen- und Anlagenbau. Am Stammsitz in Niefern ist neben der Geschäftsführung auch Entwicklung, zentrale Fertigung, Montage, Service und Vertrieb untergebracht.
„Wir haben bereits die siebte Generation im Unternehmen und damit die weitere Nachfolge in Vorbereitung“, erzählen die beiden Brüder Martin und Philipp Kollmar sichtlich stolz. Die Firma entwickelt und baut Maschinen und komplette Anlagen für die Papier- und Kartonproduktion sowie Lösungen für Schlammentwässerung, Wasseraufbereitung, Trennung von Fest- und Flüssigstoffen und industrielle Filtration. Damit sei man auch im Bereich nachhaltiger Umwelttechnik breit aufgestellt, so die Brüder. Der Papierverbrauch ginge zwar in einigen Sparten zurück, wie beispielsweise in der Zeitungsbranche, in anderen Bereichen wie der Verpackungsindustrie steige er dagegen nach wie vor jährlich an.
Die Produktion der Maschinen selbst sei nicht extrem energieintensiv, erläutert Philipp Kollmar, im Gegensatz zum Einsatz der Maschinen bei den Kunden. Daher hielten sich diese derzeit spürbar bei Investitionen zurück. Ausgeglichen werde dies durch das weltweite Engagement des Unternehmens wie auch den Einsatz der Maschinen in unterschiedlichen Branchen. „Wir profitieren zudem davon, dass wir unsere Maschinen auch nach Jahren noch auf neue Bedarfe anpassen können“, so Philipp Kollmar. „Aufgrund der hohen Kosten können wir tatsächlich nicht mehr alles in Deutschland fertigen“, ergänzt Martin Kollmar. Das Engineering, also die Konstruktion und Entwicklung, fände ausschließlich hier statt, gefertigt werde weltweit.
Thematisiert wurden beim Gespräch mit Landrat und Rathauschef auch die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts, Investitionsbedingungen und die Unterstützung von kommunaler Seite. Kritik äußerten die beiden Geschäftsführer an bürokratischen Anforderungen und Auflagen, mit denen sie selbst über Jahre bei der Erweiterung von Werken hier kämpfen. Im Ausland seien die Rahmenbedingungen dafür weitaus besser, daher ließen sich solche Projekte dort weitaus schneller realisieren.
Was das Thema Fachkräftemangel betrifft, schildert Philipp Kollmar, hat sich die Situation für das Unternehmen aktuell spürbar entschärft, zumal man nach wie vor pro Jahr etwa 25 Azubis in den Bereichen Zerspannung, Industriemechanik und Produkt-Design selbst ausbilde. Vereinbart wurde, insbesondere beim Thema KI-Anwendungsfälle in Verbindung mit passenden Delegationsreisen weiter im Austausch zu bleiben.
Die Klinik Öschelbronn – ganzheitlicher Ansatz in der medizinischen Versorgung
Anschließend besuchte die Delegation die Klinik Öschelbronn gemeinnützige GmbH, ein freigemeinnütziges Fachkrankenhaus für Innere Medizin mit einem besonderen Profil in der Integrativen Medizin. Die Klinik verbindet klassische, evidenzbasierte Schulmedizin mit ergänzenden anthroposophischen und komplementärmedizinischen Ansätzen. Zu den medizinischen Schwerpunkten zählen unter anderem die integrative Onkologie, Schmerz- und Palliativmedizin. Darüber hinaus übernimmt die Klinik eine sektorenübergreifende Versorgung im teil- und vollstationären Bereich für Patientinnen und Patienten aller Krankenkassen und ist weit über die Region hinaus in der medizinischen Versorgung tätig und nimmt mit ihrer spezialisierten Ausrichtung und dem persönlich gestalteten Ambiente nicht nur in der regionalen Gesundheitsversorgung eine besondere und wichtige Rolle ein.
Geschäftsführerin Maria Wert schildert ihren Gesprächspartnern die derzeit herausfordernden Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen, die eine verlässliche mittel- und langfristige Planung erheblich erschweren. „Wir wissen Stand heute kaum, wie das Ministerium unsere Klinik am Ende des Jahres einstufen wird. Das macht insbesondere Investitionsentscheidungen und strukturelle Planungen sehr anspruchsvoll“, so Wert. Die Klinik arbeitet kostendeckend, solange dies noch möglich ist.
Angesprochen wurden auch hier weitere Themen wie der Fachkräftebedarf, die steigenden gesetzlichen und wirtschaftlichen Anforderungen an Krankenhäuser, Fragen der künftigen medizinischen Versorgung sowie die Unterstützungsmöglichkeiten durch Landkreis, Kommune und weitere Partner. Deutlich wurde dabei, wie wichtig verlässliche politische und strukturelle Rahmenbedingungen sind, damit spezialisierte Einrichtungen ihre Leistungen auch künftig in hoher Qualität am Standort anbieten können. Die Geschäftsführerin betonte dabei die enge und konstruktive Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den zuständigen Behörden insbesondere im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung des Klinikstandorts. Auch für den Neubau des Klinikums 2021 sei dies immens wichtig gewesen.
Pflegedirektor Tobias Malok stellte dar, wie die Klinik trotz der Herausforderungen des Fachkräftemangels konsequent in Ausbildung investiert und weiterhin qualifizierte Bewerbungen erhält. Ein Baustein dabei sei die authentische Darstellung des Berufsalltags, die zur besseren Sichtbarkeit der Einrichtung als attraktiver Arbeitgeber beitrage. In diesem Bereich kann die Enzkreis-Wirtschaftsförderung die Klinik bei der Gewinnung von Auszubildenden unterstützen, sichert Jochen Enke zu.
Beim anschließenden Rundgang erläutert Chefarzt PD Dr. med. Deniz Gencer (M.Sc.) den Gästen das integrative Behandlungskonzept der Klinik Öschelbronn, bei dem schulmedizinische Therapien gezielt durch komplementärmedizinische Verfahren ergänzt werden.
Beim gemeinsamen Abschluss aller Akteure hob der Landrat die Bedeutung eines solchen Vor-Ort-Termins für die kommunalpolitische Seite hervor: „Der direkte Dialog gibt uns die Chance, aus erster Hand zu erfahren, was Unternehmen und Einrichtungen bewegt, wo konkrete Herausforderungen liegen und wie wir als Landkreis gemeinsam mit den Städten und Gemeinden bestmöglich unterstützen können.“ Auch für Bürgermeister Uwe Engelsberger ist dieser Austausch unverzichtbar: „Niefern-Öschelbronn verfügt über leistungsstarke Unternehmen und wichtige Einrichtungen im Gesundheitsbereich, für deren Sicherung und Weiterentwicklung ein enger Kontakt unabdingbar ist.“
(enz)

Bildunterschrift zu Foto „Firmenbesuch NÖ Klinik“:
Tauschten sich beim Besuch des Landrats in Niefern-Öschelbronn aus: (von links) Herbert Wackenhut vom Hochform Cluster, Enzkreis-Wirtschaftsförderer Jochen Enke, Klinik-Pflegedirektor Tobias Malok, Bellmer-Geschäftsführer Martin Kollmar, Klinik-Geschäftsführerin Maria Wert, Landrat Bastian Rosenau, Bürgermeister Uwe Engelsberger, Chefarzt PD Dr. Deniz Gencer, Bellmer-Geschäftsführer Philipp Kollmar und Jessica Heidt vom Jobcenter Enzkreis.
Bild: Klinik Öschelbronn; Fotografin: Maren Schmidt-Fischer

Bildunterschrift zu Foto „Firmenbesuch NÖ Bellmer“:
Einblick in ihr beeindruckendes Maschinenbau-Unternehmen gewähren die beiden Geschäftsführer Philipp und Martin Kollmar (Erster und Vierter von links) ihren Besuchern (von links) Bürgermeister Uwe Engelsberger, Landrat Bastian Rosenau, Jessica Heidt vom Jobcenter Enzkreis, dem Leiter des Cluster Hochform Herbert Wackenhut und Enzkreis-Wirtschaftsförderer Jochen Enke.
Bild: Bellmer; Fotografin: Tanja Schock






